Trans4mind
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22. Falsche Überzeugungen

Wenn unser Verstand sofort mit negativen oder irrationalen Gedanken auf Situationen antwortet und wir dann emotional reagieren (oft unangemessen und selbstzerstörerisch, würden wir uns die Situation objektiv anschauen), beruhen diese Gedanken auf tieferliegenden Glaubenssätzen oder Annahmen über uns, andere Menschen und Situationen. Wir haben diese Überzeugungen von unseren Eltern, Lehrern und Gleichaltrigen sowie anderen Autoritätsfiguren gelernt, während wir heranwuchsen. Es kann auch sein, dass wir solche Überzeugungen durch die Beeinflussung der Medien angenommen haben - Fernsehen und Filme, Liedtexte und so weiter. Vielleicht hat man Ihnen gesagt "Große Jungs weinen nicht", "Liebe Mädchen werden nicht zornig" oder Sie haben gelernt "Es ist riskant, anderen Menschen zu vertrauen", "Es ist hart, allein zu sein"... die Liste kann endlos fortgesetzt werden.

Sie haben vielleicht eine Einstellung zu sich selbst entwickelt als Folge davon, häufig kritisiert (folglich "Ich bin wertlos"), ignoriert (folglich "Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig"), oder abgewiesen (folglich "Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden") zu werden. Dann leben Sie diese falschen Überzeugungen vielleicht soweit aus, dass Sie auf eine Weise handeln, dass sie sich bestätigen und werden dann von anderen entsprechend behandelt. Menschen werden wie Computer "programmiert" und die falschen Überzeugungen, die wir haben, werden zu selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Die mächtigsten falschen Überzeugungen sind diejenigen, die wir auf Grund eines schmerzhaften Erlebnisses angenommen haben. Selbst wenn sie damals zutreffend waren, werden solche Überzeugungen in der Gegenwart falsch, da unsere Situation jetzt anders ist und wir die Macht haben, zu wählen, von der wir damals glaubten, sie nicht zu haben. Wenn wir solche Überzeugungen aufdecken und neu bewerten, dann wird sich die Macht, die diese vergangenen traumatischen Erfahrungen über uns haben, sofort auflösen.

Unsere Kernüberzeugungen sind normalerweise so grundlegend für unser Denken, dass wir sie gar nicht als Glaubenssätze erkennen, wir halten sie für selbstverständlich und nehmen an, dass sie die Wirklichkeit widerspiegeln. Sie sind unsere Karte der Welt. Wir integrieren solche Überzeugungen tatsächlich in unsere Identität.

Auf der Grundlage von falschen Überzeugungen beunruhigen wir uns, indem wir das Schlimmste annehmen, setzen uns vielleicht selbst herab und versuchen, unangemessene Erwartungen zu erfüllen. Wenn Sie zum Beispiel annehmen "Ich muss mir über ein Problem Sorgen machen, bevor es gelöst werden kann", dann werden Sie sich sehr viel mehr Sorgen machen als eine Person, die diese Annahme nicht hat. Wenn Sie glauben "Ich bin nichts solange ich keinen Erfolg habe und andere mich akzeptieren", dann fühlen Sie sich weniger selbstbewusst und sicher. Oder wenn Sie glauben "Ich muss alles perfekt machen, anderenfalls brauche ich's gleich gar nicht versuchen", dann bekommen Sie weniger hin und empfinden dabei auch noch mehr Stress.

Der Psychologe Nathaniel Brandon hat eine Methode entwickelt, die sich Satzvervollständigung nennt, um seinen Klienten dabei zu helfen, ihre wahren Gefühle, die bisher unterdrückt wurden, zu entdecken und mitzuteilen. Gefühle und legitime Anliegen oder Wünsche werden aus Angst davor unterdrückt, dass man sich dem Zorn oder der Lächerlichkeit preis gibt, wenn man sie verfolgt oder sie mitteilt - kurz, dass man alles durcheinanderbringt. Aber weiterhin das zu unterdrücken, was man wirklich will, bedeutet innerlich abzusterben, seine Identität zu verlieren.

Übung
Vervollständigen Sie die folgenden Sätze so ehrlich und freimütig wie möglich. Lassen Sie alles raus und forschen Sie dann in jedem Fall nach dem zugrundeliegenden Glaubenssatz, der dieses Gefühl antreibt.

Ich bin ein Mensch, der...

Was ich andere gerne über mich wissen lassen würde, ist...

Was andere nicht über mich wissen sollen, ist...

Was ich tun muss, um zu überleben, ist...

Mein Leben lang habe ich...

Es fällt mir schwer, zuzugeben...

Manchmal bin ich frustriert, wenn...

Wenn ich mich nicht darum kümmern würde, was andere denken, würde ich...

Seit ich ein Kind war, habe ich...

Wenn ich wüsste, dass ich nicht scheitern könnte, würde ich versuchen zu...

Wenn ich dies alles meinem/meiner (Partner/Freund/Familie/Kollegen) mitteilen sollte, dann...

Einfach nur Ihre eigenen speziellen falschen Überzeugungen zu erkennen ist der erste und wichtigste Schritt dahin, sie loszulassen, sich selbst zu entprogrammieren. Als nächstes müssen Sie Ihren festverankerten Glaubenssatz neu bewerten und entscheiden, ob Sie ihn ändern möchten - dabei können Sie folgende Fragen stellen:

Was ist der Beweis dafür? Ist diese Überzeugung für mich immer wahr oder nur manchamal? Zieht diese Überzeugung das gesamte Bild in Betracht und berücksichtigt meine gesamte Lebenserfahrung? Fördert diese Überzeugung mein Wohlbefinden? Habe ich diese Überzeugung selbst gewählt oder habe ich sie auf Grund des Einflusses einer anderen Person übernommen? Gab es ein besonderes Ereignis, durch das ich diese Überzeugung angenommen habe? Durch welche neue Überzeugung, die mir nützlicher ist, kann ich sie ersetzen?