Trans4mind
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29. Aus unserer Erfahrung lernen

Die derzeitigen Ereignisse haben gezeigt, dass wahrscheinlich die Mehrheit der Menschen auf der Welt einen enormen Wunsch nach Frieden in ihrem Leben verspüren. Sie sind nicht länger zufrieden mit der Mentalität des politischen Konflikts, die den wirtschaftlichen Fortschritt, die Menschenrechte und die Freiheit gefährden. Aber das wichtigste, denke ich, ist, dass viele Menschen sich jetzt bewusst sind, dass wir zuerst den Frieden in unserem eigenen Leben herstellen müssen, wenn wir Frieden in der Welt wollen. Die menschliche Natur muss sich ändern und wir sind in der Lage, eine solche Veränderung durchzuführen.

Das was wir im Außen erleben, spiegelt unseren inneren Zustand - ja, das ist so eine Art Zauberei, aber es ist die Realität, die Welt ist voller Wunder. Ich habe soviele Beweise dafür erlebt wenn ich - oder ein Schüler oder Klient - eine echte Veränderung in unserem Glaubenssystem vorgenommen haben, der einen inneren Konflikt löst, dann ändern sich die Umstände in unserem wirklichen Leben sehr schnell entsprechend. Wir spiegeln unseren inneren Zustand - unseren Widerstand/unsere Angst und Akzeptanz/Liebe - in dem, was wir in unserem persönlichen Leben erfahren. Als Gruppe spiegeln wir unser Bewusstsein in Ereignissen auf der Welt. Wir haben die persönliche Verpflichtung, uns unseres Beitrags zum Gruppenbewusstsein bewusst zu werden, mitzuhelfen, eine Welt mit mehr Chancen für uns und die Menschen, die wir lieben, zu schaffen - was letztendlich bedeutet für jeden.

Welche Kriege führen wir in unserem Inneren? Die Absichten und Ziele an denen wir so innig festhalten - einige davon haben wir vielleicht in dieses Leben mitgebracht oder am stärksten empfunden als Kind oder junger Mensch - sind oft gefährdet angesichts von Problemen, die wir vorfinden, wenn wir versuchen, diese Ziele zu erreichen. Es kann sein, wir vergessen sie (tatsächlich unterdrücken wir sie) und wählen sicherere Lösungen. Auf Nummer Sicher zu gehen ist ein trauriger Konflikt mit dem Spiel, das wir tatsächlich (immer noch) spielen wollen. Wir sind ein anderer Mensch geworden, ein Ersatz für unser wahres Selbst. Dies wird verstärkt durch die Fixierungen an die wir uns klammern, die Ängste die wir vielleicht davor haben, die Kontrolle über unseren sicheren Raum zu verlieren, der Widerstand gegen Veränderung, den wir empfinden und die Wertung, die die Akzeptanz dessen, was ist, verhindert.

Um unsere Lage zu verbessern, fähig zu sein unseren Raum zu öffnen und unsere wahren Wünsche auszusprechen, müssen wir uns zuerst mit unserer Situation arrangieren. Unser wahres Wesen ist ein Ausdruck der Liebe, das ist die Eigenschaft, die wir zuerst in unserem Bewusstsein wiederentdecken müssen.

Bevor wir durch unser Bewusstsein zum Frieden in der Welt beitragen können, müssen wir zuerst Frieden mit uns selbst schließen. Bevor wir andere bedingungslos lieben können, müssen wir erst in der Lage sein, uns selbst aufrichtig zu lieben. Bevor wir vergeben können und aufhören, über andere zu urteilen, müssen wir lernen, uns selbst zu vergeben und uns auf freundliche Weise so akzeptieren, wie wir sind. Wie geht das...

Wir machen alle mal etwas, auf das wir nicht stolz sind, wenn wir's nicht täten, wären wir keine Menschen. Etwas das andere auf eine Weise betrifft, die wir selbst nicht erleben möchten. Manchmal wählen wir, auf eine Weise zu handeln, von der wir wissen, dass wir uns selbst damit nicht treu sind, die uns aber als die Lösung für unsere Situation erscheint. Oder wir sind vielleicht versucht, unseren eigenen Interessen an die erste Stelle zu setzen. Ein anderes Mal wiederum werden wir vielleicht von Gefühlen des Ärgers oder der Eifersucht übermannt und tun etwas aus Boshaftigkeit, was wir später vielleicht bereuen. Oder wir tun etwas nicht, von dem wir wissen, dass wir es wirklich tun wollten, zum Beispiel einem Freund in Not zu helfen. Oder aber wir haben vielleicht die besten Absichten, aber es läuft nicht so wie vorhergesehen, wir machen einen Fehler oder erkennen, dass wir etwas Schädliches getan haben, obwohl wir das nicht beabsichtigt hatten.

Diese Handlungen lassen uns mit einem Gefühl der Scham und Depresseion zurück und es kann sein, dass wir unsere Schuld jahrelang mit uns herumtragen, wenn wir jedoch ein glückliches Leben führen wollen, müssen wir die Verantwortung für die Folgen unseres Verhaltens übernehmen und weitergehen.

Sich schuldig fühlen sollte nicht damit verwechselt werden, die Verantwortung für unsere Vergangeheit zu übernehmen. Verantwortung heisst, dass wir eine gezielte Anstrengung unternehmen, das Verhaltensmuster zu ändern, das zu dieser falschen Wahl geführt, hat sowie die Glaubenssätze und Gefühle, die es genährt haben. Wir müssen weitergehen, indem wir Frieden mit der Vergangenheit schließen.

Wenn wir etwas ohne Integrität tun, dann ist die natürliche Neigung, zu versuchen, unsere Handlungen zu rechtfertigen, uns ins Recht zu setzen. Oder wir sagen vielleicht, die Handlulng war verdient, damit setzen wir den anderen ins Unrecht. Beidesmal vermeiden wir die Realität, indem wir unseren eigenen Sinn für die Wahrheit und unsere eigene Verantwortlichkeit für unsere Handlungen verleugnen. Wir vermeiden unsere Schuldgefühle, indem wir vorgeben, dass es kein Fehler oder keine falsch verstandene Wahl war, auf die hin wir gehandelt haben, es war sogar "richtig". Wir umgehen unsere Schamgefühle (sich schlecht fühlen darüber, wie andere uns wahrnehmen), indem wir vorgeben, der andere sollte sich schämen.

Das Problem ist nicht die schädliche Handlung oder einen Fehler zu machen - das ist passiert und kann nicht ungeschehen gemacht werden. Das Problem ist das, was wir uns danach selbst sagen. Ob wir ehrlich sind oder uns selbst belügen. Diese Lüge schadet unserer Integrität und der weiteren Beziehung mit demjenigen, dem wir Unrecht getan haben.

Wir müssen unsere Verteidigung aufgeben, die Lügen fallen lassen, die wir uns erzählt haben, um die Wahrheit zu verbergen und uns unseren Handlungen und deren Konsequenzen stellen - und uns selbst vergeben.

Realistisch und ehrlich zu sein bringt einen großen Vorteil mit sich - wir können eine wertvolle Lektion lernen, die diese Erfahrung uns bietet. Tatsächlich können wir nur dann den Fehler der Vergangenheit loslassen, wenn wir diese Lektion gelernt haben und unser Leben als unser wahres Selbst in der Gegenwart leben.

Um uns also selbst zu vergeben, müssen wir die Lektion lernen. Schauen wir uns zuerst einmal Fehler an. Fehler sind Gelegenheiten zu lernen. Wenn wir autofahren lernen, würgen wir die Gänge rein und fahren rückwärts statt vorwärts. Aber wir lernen und werden besser. Später fahren wir vielleicht mal bei Rot über die Ampel und werden von der Polizei angehalten und mit einer Geldstrafe belegt. Auch daraus können wir lernen, nämlich, sich Kreuzungen vorsichtiger zu nähern. Dann werden wir ein besserer Fahrer. Wenn Sie das nächste Mal einen Fehler machen, sagen Sie sich: "Prima, was kann ich daraus lernen?" Anstatt sich mies zu fühlen, werden Sie sich herausgefordert und motiviert fühlen.

Was aber, wenn ich bei Rot über die Kreuzung gefahren wäre, ein Auto gerammt und dessen Fahrer schwer verletzt hätte. Das ist nicht cool. Ich kann sagen, die Ampel ist gerade eben erst auf Rot gesprungen, also habe ich nichts falsch gemacht. Ich kann dem anderen Fahrer die Schuld geben, dass er sich nicht versichert hat, dass die Kreuzung frei ist, bevor er angefahren ist. Oder ich kann akzeptieren, dass es eine törichte Handlung war, eine Kombination aus Fehler und Leichtsinn. Ich habe es getan, und es tut mir leid.

Wahre Vergebung hat jedoch nichts damit zu tun, dass es einem Leid tut oder sich zu entschuldigen, beides ändert nichts. Aus einer höheren Perspektive gibt es weder richtig noch falsch. Es gibt Wahlmöglichkeiten und Erfahrung. Es gibt Ursache und Wirkung.

Und Vergebung kann auch nicht von einem anderen gegeben werden; wir müssen sie selbst gewähren. Solange wir uns nicht wahrhaftig selbst vergeben können, können wir nicht richtig weitergehen und sind nicht frei von der Vergangenheit.

Dieser Vergebung steht das Urteil im Weg, das ich ein schlechter Mensch bin. Ich muss meinen angeborenen Wert von meinen Handlungen trennen. Ich bin im Grunde ein liebevolles Wesen, das weiß ich. Das sind wir alle. Ich bin tatsächlich auch nicht meine Gedanken und Gefühle. Ich erschaffe sie und manchmal mißlingen sie mir auf Grund von Unwissenheit oder dadurch, dass ich mich irreleiten lasse und meine darausfolgenden Handlungen können andere verletzen. Das Beste was ich dann tun kann, ist daraus zu lernen, so dass ich in Zukunft mehr im Einklang mit meinem wahren Wesen erschaffe.

Ich muss erkennen, dass meine Wahl das Ergebnis meiner Unwissenheit war - ich habe nicht gewusst, was ich jetzt als die Lektion aus der Erfahrung erkenne. Ich wollte einfach nur rasch an mein Ziel kommen. Ich habe nicht über die eventuellen Folgen nachgedacht, die meine unverantwortliche Fahrweise haben könnte, ich dachte, es sei in Ordnung, bei Rot über die Kreuzung zu fahren. Also war mein zugrunde liegender Beweggrund nicht schlecht, aber ich habe auf falsche Informationen hin gehandelt, ich war irregeleitet.

Wir können nicht weitergehen, wenn wir die Vergangenheit bedauern und auch nicht, wenn wir uns selbst verachten. Wenn wir so empfinden, dann bedeutet dies, dass wir unsere Vergangenheit als bedeutungslos und wertlos sehen und uns selbst als nicht mehr vertrauenswürdig. Im Gegenteil, wenn wir uns selbst vergeben wollen, müssen wir den Wert in unseren Erfahrungen entdecken und in uns selbst. Anstatt eine Erfahrung einfach als eine schmerzhafte Episode abzuschreiben und zu versuchen, sie zu vergessen, sollten wir versuchen, daraus zu lernen soviel wir können.

Das Leben ist eine Reise voller Lernerlebnisse und die wertvollsten Lehren kann man aus der persönlichen Erfahrung ziehen. Wenn die Dinge so laufen, wie wir es wollen, weil wir gute Informationen und angemessene Glaubenssätze haben, dann wird unser Lernen durch diese positive Rückmeldung gestärkt. Wenn die Dinge schiefgehen,weil wir fehlerhafte Informationen und unangemessene Glaubenssätze haben, dann leiden wir und diejenigen, den unsere Handlungen betreffen. Hierin liegt jedoch eine Chance, etwas Neues zu lernen. Vieles, was wir neu hinzulernen, sowie persönliches Wachstum ist eine Folge schmerzhafter Erfahrungen; vorausgesetzt wir sind willens und offen dafür, diese Lektionen zu lernen.

Wenn wir wachsen und unsere Erfahrungen nutzbringend anwenden wollen, ist es wichtig, dass wir uns darauf konzentrieren, was wir lernen können anstatt Widerstand gegen die Realität dessen, was passiert ist, zu leisten.

Finden Sie etwas, was Sie getan haben (oder unterlassen haben), wobei Sie sich immer noch schlecht fühlen, das Sie bedauern, wofür Sie sich schämen. Jetzt nehmen Sie die Bedeutung und den Wert auf diesem Erlebnis. Fragen Sie sich: "Was hat mich das gelehrt - über mich selbst, über andere und über mein Leben?" Aufbauend auf dieser Lektion arbeiten Sie heraus, welche Glaubenssätze Sie ändern müssen, welche fixen Ideen Sie loslassen können, welche Annahmen Sie getroffen haben, die nicht mehr hilfreich sind.

Selbstvergebung bringt die Energie zurück, die Sie durch die Schuld und den Widerstand gegen die Vergangenheit weggegeben haben. Es gibt Ihnen die Freiheit, wieder Sie selbst zu sein - ein neues, glücklicheres und weiseres Selbst.

Wenn wir uns selbst vergeben, dann fällt es uns leichter, anderen zu vergeben. Wenn wir nicht in der Lage sind, anderen zu vergeben, dann haben wir eindeutig nicht gelernt, uns selbst zu lieben. Und die Ironie ist, wenn wir uns selbst wahrhaftig lieben, dann brauchen wir und andere noch nicht einmal Vergebung, weil wir imstande sind, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so zu akzeptieren, wie sie sind, ohne Bewertung. Eben unsere Schöpfung. Diskriminierung - gut/schlecht, richtig/falsch, häßlich/schön - ist nicht im Wortschatz der Liebe.