Trans4mind
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4. Kritik

Im ersten Abschnitt dieser Serie haben wir uns die Faktoren angesehen, die die Fragmentierung unserer Identität verursachen können: Entwertung (sich von jemandem herabgesetzt fühlen), Ko-Abhängigkeit (bei der wir unsere eigenen Gefühle beiseite lassen), Unterdrückung (der Widerstand eines anderen gegen unsere Ziele und Absichten). In der heutigen Lektion schauen wir uns an, wie Kritik auf uns wirkt und wie wir mit ihr am besten umgehen.

Menschen neigen dazu, sich zu verteidigen und zu protestieren, wenn sie sich mit der Kritik oder Beschwerde einer anderen Person konfrontiert sehen. Trotzdem kann es sein, dass man sich hinterher fragt: "Stimmt das, was gesagt wurde, wirklich?" und dabei seine Aufmerksamkeit nach innen auf sich selbst richtet. Zwanghafte Selbstbeobachtung wird dadurch verursacht, dass eine falsche Kritik akzeptiert wird, was dazu führt, dass der Mensch nach innen schaut und nicht versteht was da vor sich geht. Bei einer gesunden Person kann dies verminderte Aktivität und Unzufriedenheit oder Krankheit verursachen. Bei einer neurotischen Person kann dies eine Psychose auslösen.

Das kann bereits in früher Kindheit anfangen mit dem 'Übervorsichtige Eltern'-Syndrom - "Was machst Du?", "Sei vorsichtig, vorsichtig, vorsichtig!" wenn Sie auf eine Leiter steigen und solche Dinge, die den natürlichen Fluß einfacher Handlungen stören, bis die Person an einem Punkt in ihrem Leben ankommt, an der sie die umgebende Welt nicht mehr bewältigt. Dieser Mensch muss über alles nachdenken, was er tut, anstatt es einfach zu tun.

Die Kritik oder Beschwerde eines Anderen ist selten spezifisch und genau genug, um hilfreich zu sein. Es handelt sich oft um eine Allgemeingültigkeit oder um Übertreibung, d.h. mehr als die Wahrheit ("Du beklagst Dich immer", obwohl ich mich nur manchmal beklage); oder es ist vielleicht nicht ganz wahr ("Du gibst keine klaren Anweisungen", wobei ich normalerweise immer klare Anweisungen gegeben habe, es jedoch bei dieser bestimmten Person unterlassen habe).

Wenn die Kritik völlig daneben liegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Irritation und eine Innenschau auslöst, wenig wahrscheinlich. Das Problem ist nur, dass Kritik oft ein Fünkchen Wahrheit enthält und wenn die Kritik zurückgewiesen wird ohne nachzudenken, bleibt die Wahrheit ungeprüft und unbearbeitet.

Auch wenn die Kritik zutrifft, wenn sich ein Mensch eine bestimmte Zeit lang, oft das ganze Leben lang, auf eine bestimmte Weise verhalten hat, dann beteuert er die Richtigkeit dieser Verhaltensweise - er IST das Verhalten! - und entwickelt einen Widerstand dagegen, den Zustand objektiv zu prüfen und zu bearbeiten. Weitere Kritik macht alles nur noch schlimmer. Aber solange ein Mensch nicht in der Lage ist, sein eigenes Verhalten objektiv zu beurteilen, was das Lernen von der Betrachtungsweise anderer Menschen mit einschließt, wird er nicht in der Lage sein, sich von den Fesseln einer begrenzten persönlichen Identität zu befreien und sein tatsächlich grenzenloses Höheres Selbst zu erkennen.

Übung
Überlegen Sie bei jeder Person, die Sie kennen, ob diese Person behauptet hat, dass etwas an Ihrem Verhalten oder Ihrer Einstellung nicht richtig sei?

Für jede Kritik, die Sie aufspüren, überprüfen Sie, ob sie eine Übergeneralisierung oder Übertreibung ist und ob die Kritik auf Grund von Intoleranz oder negativem Denken gemacht wurde. Gründete sich die Kritik auf eine falsche Annahme? Ist die Kritik teilweise wahr oder trifft sie nur für eine spezielle Begebenheit zu? Haben Sie jemand anderen genau für das Selbe kritisiert?